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Mrz
24
2021

Das »3+1«-Interview mit Georg Markus

A. V.: Wie kam es dazu, dass Sie Karl Farkas’ Assistent im Kabarett »Simpl« wurden?

G. M.: Ich war schon mit 18 Jahren ein großer Farkas-Fan. Da ich mit den Kindern von Maxi Böhm befreundet war, fragte ich eines Tages Maxi Böhm, ob es möglich wäre, am »Simpl« bzw. für Farkas zu arbeiten. Schon am nächsten Tag erhielt ich die Einladung, mich bei Farkas vorzustellen. Der suchte gerade einen Inspizienten und nahm mich auf. Ich war zuständig dafür, dass alles auf der Bühne funktioniert – verantwortlich für die Requisiten, das Bühnenbild etc. Nach einiger Zeit beauftragte mich Farkas, auch Schreibarbeiten für ihn zu erledigen. Er selbst schrieb seine Texte mit Bleistift, ich übertrug sie in Maschinenschrift. Dazu kamen auch Arbeiten zur Vorbereitung seiner Fernsehsendung »Bilanz der Saison«, sodass ich zuletzt eine Art Assistent war. Insgesamt arbeitete ich ein Jahr für Karl Farkas (1969/70), ehe ich mich dem Journalismus zuwandte.

 

A. V.: Was hat Sie am meisten an seiner Persönlichkeit beeindruckt, was haben Sie am meisten geschätzt?

G. M.: Karl Farkas war – wohl auch infolge der Schicksalsschläge, die er erleiden musste – ein eher ernster Mensch. Doch konnte er auch privat unerwartet, aus einer Situation heraus, plötzlich unglaublich komisch sein. Geschätzt habe ich an ihm seine charismatische Erscheinung. Als Chef war er streng, aber gerecht, sensibel und gutmütig. In langen Gesprächen hat er mir Ernstes und Heiteres aus seinem Leben erzählt. Nie hätte ich gedacht, dass seine Erzählungen viele Jahre später zur Grundlage einer Farkas-Biografie werden sollten.

 

A. V.: Weshalb hält sich das Interesse an Karl Farkas bis heute?

G. M.: Der Humor von Karl Farkas war einzigartig, er war klug und witzig, Intellektuelle konnten über seine Pointen ebenso lachen wie die »kleinen Leute«. Er war weit mehr als ein Kabarettist, zeigte in seinen Doppelconférencen mit Ernst Waldbrunn und in seinen Sketchen auch schauspielerische Größe. Seine Karriere dauerte über Jahrzehnte. Er war schon in den 1920er- und 30er-Jahren ein Star, wurde dann von den Nazis vertrieben und konnte nach seiner Rückkehr aus der Emigration nahtlos an seine Vorkriegserfolge anschließen.

 

A. V.: Was ist Ihr Lieblingswitz oder liebster Schüttelreim des Künstlers?

G. M.: Ich zitiere in dem Buch sehr viele Pointen aus seinen Conférencen. Eine davon lautet: »Gott hat aus dem Chaos die Welt erschaffen, und wir haben aus der Welt ein Chaos gemacht.«