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Michael Schottenberg

Michael Schottenberg, geboren 1952 in Wien, prägt als Schauspieler, Regisseur und Autor seit Jahrzehnten das österreichische Kulturleben. Er ist Schauspieler in TV-Serien, Kinofilmen, am Volkstheater, an der Josefstadt und am Burgtheater. Er inszeniert an Theatern in Wien und Berlin, ist Verfasser von Drehbüchern und Regisseur für Film und Fernsehen. Zehn Jahre lang leitete er das Volkstheater Wien. Für seine Arbeiten gewann er zahlreiche Preise (bei Filmfestivals in Cannes, Houston, Saarbrücken sowie Nestroy-, Karl-Skraup-, Dorothea-Neff-Preis u. v. a.). Seit 2015 als Reisender und Autor unterwegs, 2019 Teilnahme bei der ORF-Show »Dancing Stars«. Zuletzt bei Amalthea erschienen: »Von der Bühne in die Welt. Unterwegs in Vietnam« (2017) und »Von neuen Welten und Abenteuern. Unterwegs in Burma« (2018)

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Leserin,
ich
liebe
dich!

Die Arbeit des Schreibenden verlangt nach jenem Brand, an dem er nicht verbrennt, sondern sich entzündet – seine Ideen, seine Vorstellungskraft, seine Lust. Damit verbunden sind jede Menge Qualen, weil die Unwägbarkeit so wie in jeder leidenschaftlichen Beziehung eine große Rolle spielt: Enttäuschung, Frustration, Hoffnung. Und die Begierde nach mehr. Das Verlangen, sich künstlerisch auszudrücken, entsteht zunächst im Kopf. Ein Rausch, dessen Samen Früchte trägt. Der Schreibende verschmilzt mit seiner Leidenschaft, die vor den Augen seiner Geliebten zu Affekten des Begehrens wird. Und des Staunens. So verwandeln sich Augenblicke zu geheimen Liebesbotschaften, die uns die Gewissheit schenken, zu leben.

Wer ist die Schöne, der all diese Aufmerksamkeit gilt? Lange Zeit eine Fiktion. Denn noch findet die Vereinigung nicht statt. Erst während des Lesens kann sich Liebe erfüllen – oder eben auch nicht. Gefühl kennt weder Vergangenheit noch Zukunft. Es verlangt nach dem Augenblick des sich Vergessens und – es ist keineswegs käuflich. Der Schreibende offenbart sich. Manchmal verführt er seine Geliebte zu unwägbaren Abenteuern, dann wird er aufgefressen, mit Haut und Haaren. Oder aber er wird weggelegt. Dann bleibt er unentdeckt zurück, doch untrennbar mit ihr verbunden. Der Schreiber und seine Geliebte. Autor und Leser*in. Eine widersprüchliche Symbiose. Aber so ist Leidenschaft. Beide sind süchtig nach dem Gefühl zwischen Hingabe und Ohnmacht. Aus allen Aphorismen, Weisheiten und Zitaten trifft für beide wohl (abgewandelt) dieses eine zu: »Leidenschaft ist eine Kraft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft.«

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