Neue Beiträge werden geladen

Mai
31
2021

Das »3+1«-Interview mit Birgit Mosser

A.V.: Wie kamen Sie auf die Idee, eine österreichische Familiensaga zu schreiben?

B.M.: Sehr einfach: Es gab so etwas für Österreich noch nicht. Gleichzeitig hat mich der Gedanke fasziniert, Schicksale, die ich aus meiner Filmarbeit kenne, mit Fiktion zu verbinden und so ein Zeitmosaik zu schaffen. Mir war es wichtig, sowohl sozial als auch geografisch möglichst unterschiedliche Standpunkte einfließen zu lassen.


A.V.: Wie darf man sich Ihren Schreibprozess vorstellen? Gab es schon vor dem Schreiben einen »Fahrplan« für alle drei Teile oder hat sich die Geschichte erst währenddessen entwickelt?

B.M.: Klar war am Anfang, welche Periode abgedeckt sein soll und um welche Familien es sich handelt. Was diesen Personen alles zustößt, entwickelt sich im Laufe des Schreibens.


A.V.: Haben sich die Charaktere oder Ihr Verhältnis zu ihnen seit Band 1 verändert?

B.M.: Die Charaktere verändern sich nicht so sehr, werden aber durch das „Erlebte“ mit der Zeit komplexer. Eigentlich nicht, aber natürlich habe ich meine Lieblinge. So wie Julius Holzer. Mir imponiert, dass er sich sein ganzes Leben lang unbeirrbar für seine Heimat Südtirol einsetzt: An der Front im Ersten Weltkrieg, im Kampf gegen die Faschisten und schließlich auch gegen die Nazis. Er muss viele Schicksalsschläge einstecken und lässt sich doch nicht beirren. Trotzdem bleiben seine große Liebe, Felicitas, und seine Kinder der Mittelpunkt seines Lebens. Mein weiblicher Lieblingscharakter ist Gusti Belohlavek/Schuöcker, weil sie für ihre Zeit eine ungewöhnlich starke und unabhängige Frau ist. Sie durchlebt alle großen Umbrüche des 20. Jahrhunderts und bleibt doch immer wer sie war: eine Wiener Bürgertochter, der jegliche Bevormundung zuwider ist. Sie lässt sich weder von ihrem strengen Vater noch von gesellschaftlichen Konventionen etwas vorschreiben und lässt sich später nicht einmal von den Nazis den Mund verbieten.


A.V.: Fällt Ihnen der Abschied von den Charakteren schwer?

B.M.: Ja, denn es gäbe noch viel zu erzählen.